Einige Steuerfragen zum Kleingewerbe

Yakuzaa
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Einige Steuerfragen zum Kleingewerbe

Beitragvon Yakuzaa » 4. Dez 2020, 11:18

Hallo liebe Forumsmitglieder, erstmal möchte ich mich für die schnelle Aufnahme in eurem Forum bedanken.

Ich hoffe, dass ich hier die richtige Rubrik ausgewählt habe, so richtig fand ich keine passend. Wenn nicht wäre es schön, wenn mein Thema entsprechend verschoben werden könnte.

Nun zu meiner Situation: Ich bin derzeit ein gewöhnlicher Vollzeitangestellter mit einem geregelten, leicht über dem Durchschnitt liegenden Einkommen. Ich bin steuerlich alleine veranlagt und befinde mich in Lohnsteuerklasse 1.

Ich habe ein Talent dafür, Dinge sehr günstig zu kaufen. Man könnte sagen, ich bin ein Schnäppchenjäger. Nun kam mir vor einiger Zeit die Idee, dass man das Ganze auch ausweiten könnte und nicht nur "für sich selbst" agiert, sondern damit auch Geld verdienen kann. Gemacht - getan ich habe mir ein erstes Investitionskapital angespart und Investitionen getätigt. Das ganze läuft wunderbar und ich konnte mir in einem Monat bereits eine hohe dreistellige Summe dazu verdienen. Der Betrag wird vermutlich in Zukunft ansteigen, da ich meine "Investitionsfelder" schon in diesem Monat stetig erweitert habe.

Nachdem ich mich über die schnelle Mark gefreut habe und mich schon damit beschäftigt habe, wie ich mein "kleines Business" ausweiten kann, kam das schnelle Erwachen. Ich lebe in Deutschland, da muss ich doch bestimmt Steuern zahlen, Versicherungen haben, Bürokratie machen usw..

Da kommen wir an den Punkt, an dem ich leider kaum Ahnung habe und mir eure Hilfe erhoffe.

Wie gehe ich nun am besten vor ? Ich möchte mein "Kleingewerbe" gerne weiter betreiben bzw. ausweiten. Gleichzeitig möchte ich aber nicht gegen das Gesetz verstoßen und riskieren mich strafbar zu machen.

Nach intensiven Recherchen konnte ich schon folgendes herausfinden:

-Ich muss ein Kleingewerbe beim Amt beantragen, das kostet erstmal nur eine kleine Gebühr (>50€)
-Mit dem Thema Umsatzsteuer muss ich mich erst am einem Umsatz von 17.500€ p.a. befassen
-Gewerbesteuer wird erst ab 24.500€ Gewinn p.a. fällig
-Meine Steuerlast berechnet sich eigentlich relativ simpel Gewinn - Kosten x persönlicher Steuersatz

Sind diese Aussage korrekt ?

Nun zu meinen offenen Fragen:

-Sollte ich mir schon Gedanken um die Rechtsform machen ? Welche Rechtsform wähle ich, bzw. kann ich überhaupt schon wählen?
-Wie mache ich überhaupt meine Steuer ? Wenn mein persönlicher Steuersatz angewendet wird, heißt das dann gleichzeitig, dass ich das Ganze mit in meine private Steuererklärung aufnehmen muss ?
-Gibt es Freigrenzen, bis zu der ich mir das Kleingewerbe noch sparen kann?
-Welche Kosten kann ich für meine Tätigkeit absetzen ? Spontan eingefallen sind mir: Mietkosten (ich nutze ein Zimmer der Wohnung aktuell quasi als Lager, darin steht auch der PC mit dem ich arbeite), Kontoführungsgebühren (ich würde ein eigenes Konto für die "Firma" anlegen), Versandkosten inkl. Packmaterial, Spritkosten bis zur Post, DSL, Strom, Heizung
-Muss ich mich irgendwie besonders versichern?
-Haben Käufer einen Gewährleistungsanspruch gegen mich, sobald ich gewerblich handele ? Muss ich das vielleicht sogar offen auf Plattformen wie eBay, Kleinanzeigen, Facebook Marktplatz etc. kommunizieren ?
-Gibt es Vorteile, die ein Kleingewerbe mit sich bringt, die ich vielleicht vergessen habe ? Aktuell sehe ich ehrlich gesagt nur Nachteile (Bürokratie, Steuer,...)

Wahrscheinlich werden noch einige Fragen folgen, aber ich bin für JEDEN(!) Tipp dankbar.

Severina
Beiträge: 916
Registriert: 3. Dez 2017, 23:48

Re: Einige Steuerfragen zum Kleingewerbe

Beitragvon Severina » 5. Dez 2020, 10:27

Ich muss ein Kleingewerbe beim Amt beantragen, das kostet erstmal nur eine kleine Gebühr (>50€)

Sowas wie ein Kleingewerbe gibt es nicht, nur ein Gewerbe, dieses müssen Sie nicht beantragen, sondern anmelden und dann innerhalb von 1 Monat den Fragebogen zu steuerlichen Erfassung elektronisch übermitteln.

-Mit dem Thema Umsatzsteuer muss ich mich erst am einem Umsatz von 17.500€ p.a. befassen

Die Grenze liegt bei 22.000 € und wird bei einer unterjährigen Anmeldung auf die anteiligen Monate heruntergerechnet. Ob Sie diese überschreiten oder nicht, ist von Ihnen selbst zu überwachen, da dies ohne weiteres dazu führt, dass Sie ab Beginn des Folgekalenderjahres umsatzsteuerpflichtig sind. Ob die Anwendung der Kleinunternehmerregelung die richtige Entscheidung in Ihrem Fall ist, hängt von der Art Ihrer Geschäfte ab - von wem kaufen Sie, an wen verkaufen Sie (Unternehmer oder Privatpersonen). Sie sollten sich ggf. auch mit dem Thema Differenzbesteuerung beschäftigen.

-Gewerbesteuer wird erst ab 24.500€ Gewinn p.a. fällig

Ja

-Meine Steuerlast berechnet sich eigentlich relativ simpel Gewinn - Kosten x persönlicher Steuersatz

Nein, Einnahmen - Ausgaben x pers. Steuersatz (vom Gewinn kann man keine Kosten mehr abziehen, die sind da schon abgezogen)

Sind diese Aussage korrekt ?

Nun zu meinen offenen Fragen:

-Sollte ich mir schon Gedanken um die Rechtsform machen ? Welche Rechtsform wähle ich, bzw. kann ich überhaupt schon wählen?

Was schwebt Ihnen denn da vor? Ich rate hier dringend dazu, einen Steuerberater aufzusuchen, Ihre Fragen berühren sehr grundsätzliche Dinge...

-Wie mache ich überhaupt meine Steuer ? Wenn mein persönlicher Steuersatz angewendet wird, heißt das dann gleichzeitig, dass ich das Ganze mit in meine private Steuererklärung aufnehmen muss ?

Sie ermitteln den Gewinn mittels Einnahme-Überschuss-Rechnung und füllen eine Anlage EÜR und eine Anlage G aus, außerdem eine Umsatzsteuererklärung - auch als Kleinunternehmer, da sind aber nur zwei Zahlen einzutragen.

-Gibt es Freigrenzen, bis zu der ich mir das Kleingewerbe noch sparen kann?

Nein.

-Welche Kosten kann ich für meine Tätigkeit absetzen ? Spontan eingefallen sind mir: Mietkosten (ich nutze ein Zimmer der Wohnung aktuell quasi als Lager, darin steht auch der PC mit dem ich arbeite), Kontoführungsgebühren (ich würde ein eigenes Konto für die "Firma" anlegen), Versandkosten inkl. Packmaterial, Spritkosten bis zur Post, DSL, Strom, Heizung

Naja, vor allem fehlt hier der Wareneinkauf... Alle Aufwendungenen, die im Zusammenhang mit der gewerblichen Tätigkeit entstehen, dazu zählen auch Steuerberatungskosten.

-Muss ich mich irgendwie besonders versichern?

Sie sollten unbedingt über eine Gewerbehaftpflicht und Gewerberechtschutzversicherung nachdenken und ggf. Ihre Ware vor Verlust durch Feuer, Leitungswasser etc. schützen.


-Haben Käufer einen Gewährleistungsanspruch gegen mich, sobald ich gewerblich handele ? Muss ich das vielleicht sogar offen auf Plattformen wie eBay, Kleinanzeigen, Facebook Marktplatz etc. kommunizieren ?

Ja, haben Sie, m. W. ohne wenn und aber - das ist aber Zivilrecht, kein Steuerrecht. Stichwort Impressumspflicht, Abmahnanwälte...

-Gibt es Vorteile, die ein Kleingewerbe mit sich bringt, die ich vielleicht vergessen habe ? Aktuell sehe ich ehrlich gesagt nur Nachteile (Bürokratie, Steuer,...)

Ähm - den Verdienst aus dem Gewerbebetrieb? Und Ihrer Schilderung nach der Spaß an der Tätigkeit? Ehrlich-
wenn Ihnen die unternehmerischen Pflichten zu viel sind, dann dürfen Sie kein Unternehmen gründen.


Bitte suchen Sie einen Steuerberater auf, der Ihre Fragen konkret bezogen auf Ihre Tätigkeit beantwortet - keine Beratung könnte bei Ihren Wissensstand teurer werden als die Beratung.

muemmel
Beiträge: 4421
Registriert: 7. Feb 2014, 15:08

Re: Einige Steuerfragen zum Kleingewerbe

Beitragvon muemmel » 5. Dez 2020, 18:45

Ich lebe in Deutschland, da muss ich doch bestimmt Steuern zahlen, Versicherungen haben, Bürokratie machen usw.. Sie glauben jetzt aber nicht ernsthaft, Steuern gäbe es nur in Deutschland, oder?
Wie gehe ich nun am besten vor ? Ich möchte mein "Kleingewerbe" gerne weiter betreiben bzw. ausweiten. Gleichzeitig möchte ich aber nicht gegen das Gesetz verstoßen und riskieren mich strafbar zu machen. Bisher haben Sie nur eine Ordnungswidrigkeit begangen (unterlassene Gewerbeanmeldung). Das Vorgehen insofern: Die Anmeldung nachholen und hoffen, dass es kein Bußgeld gibt.


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