Berechnung der KAP

Einkünfte aus Kapitalvermögen

ArnoSt
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Berechnung der KAP

Beitragvon ArnoSt » 23. Okt 2021, 14:07

Ich sitze vor der Elster und bin völlig ratlos. Man gibt so 20 Zahlen ein, die man aus den diversen Reporten der Banken bekommt und daraus wird dann magisch eine Zahl: Die Kapitalerträge. Wie bleibt mir im Dunkel - also was geht mit + und - ein?
Gibt es eine Möglichkeit die Berechnung transparenter zu sehen?
Noch verrückter - ich dachte die errechnete Steuer ist dann 25% von dieser Zahl, aber mitnichten. Dieses Jahr ist es 24,5%, letztes Jahr 22.3%.
Wohl gemerkt, das steht da in einer Zeile:
Kap-Ertr nach §32 Abs 1 ... x € -> y € Steuer.
Also zwei Fragen, wie komme ich von meinen 20 Eingaben auf x und wieso ist y nicht 25% von x?

- Edit: Schätze das nicht alle Erträge voll mit 25% versteuert werden, aus verschiedenen Gründen - da das aber eine Minderheit ist, ist es insgesamt etwas weniger als die erwarten 25%.
Aber es bleibt die Frage, wie kann ich das nachrechnen? Das da in der "ausführlichen" Berechnung nur 1 Zeile dafür steht, ist ein schlechter Witz.

reckoner
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Re: Berechnung der KAP

Beitragvon reckoner » 23. Okt 2021, 14:52

Hallo,
Man gibt so 20 Zahlen ein,
Warum so viele? Bei mir ist das immer nur eine Hand voll.
Wie bleibt mir im Dunkel - also was geht mit + und - ein?
Eigentlich ist es ganz einfach: Alle Gewinne minus alle Verluste minus alle Spesen ergibt die steuerpflichtigen Kapitalerträge. Eine kleine Einschränkung noch, Aktienverluste nur soweit es auch entsprechende Aktiengewinne gibt.

Auf diese steuerpflichten Kapitalerträge werden dann 25% Steuer fällig, ausländische Quellensteuer gehen ggf. wieder davon ab. Falls Kirchensteuer anfällt reduzieren sich die 25% noch ein wenig (dafür darf man diese Kirchensteuer aber nicht mehr als Sonderausgabe absetzen).
Am Ende kommt dann noch Soli und ggf. Kirche drauf, fertig.
Noch verrückter - ich dachte die errechnete Steuer ist dann 25% von dieser Zahl, aber mitnichten. Dieses Jahr ist es 24,5%, letztes Jahr 22.3%.
Woher der Unterschied kommt kann ich auch nicht sagen. Die knapp 24,5% deuten aber auf Kirchensteuern hin.

Stefan

ArnoSt
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Re: Berechnung der KAP

Beitragvon ArnoSt » 23. Okt 2021, 18:10

Bei mir gibt es Einträge zu folgenden Nr ....

7, 8,10,11,12, 13, 16/17 , 19, 37, 38, 40, 41

und dann noch einen ganz mysteriösen, der keiner Ziffer zugeordnet ist:
Summe der als zugeflossen geltenden, noch nicht dem Steuerabzug unterworfenen ausschüttungsgleichen Erträge aus Anteilennan ausl. Investmentfonds im Sinne §7 ....
Diese Summe ist in bescheinigten Höhe der Kap-Erträge enthalten und in der Anlage KAP von der Höhe der Kapitalerträge anzuziehen.
Also diese Summe dann von 7) abziehen?!? So versteh ich das jedenfalls.

Und wie rechnet man dann 7) + x - y = Kapitalerträge ?
Sorry als Steuerlegastheniker bin ich nicht mal sicher welche Punkte zu addieren und zu subtrahieren sind und experimentell sind das zu viele Möglichkeiten ;)

Kirchensteuer fällt bei mir aus - das würde die Quote auch über 25% ziehen, aber sie ist leicht darunter. Ich denke da gibt es Sachen die evtl schon versteuert wurden oder zu einem gewissen Satz ....

reckoner
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Re: Berechnung der KAP

Beitragvon reckoner » 23. Okt 2021, 22:50

Hallo,

das ist ja wirklich fast volles Programm, zum Glück hast du keine Fonds denn dann käme noch mehr.
Aufgrund Zeile 11 bist du übrigens für diese Bank erklärungspflichtig.
Also diese Summe dann von 7) abziehen?!? So versteh ich das jedenfalls.
Ja, in dem Korrekturfeld (dort kommt der originale Betrag für Zeile 7 minus die Korrekturen rein, also nicht nur die Korrektur). Immer vorausgesetzt, du hast in den Jahren zuvor die damals nur nachrichtlich aufgeführten Erträge versteuert.
Und wie rechnet man dann 7) + x - y = Kapitalerträge ?
Ich verstehe die Frage nicht. Für den ganzen inländischen Teil hast du doch Steuerbescheinigungen in denen jeweils auch die Zeilennummern stehen. Das addiert man einfach.
Du musst die Kapitalerträge oder die Steuer nicht selber ausrechnen (ich hatte das nur grob erklärt weil ich dachte du wolltest es nachvollziehen).
Kirchensteuer fällt bei mir aus - das würde die Quote auch über 25% ziehen, aber sie ist leicht darunter.
Nein, Kirchensteuer drückt den Steuersatz auf unter 25% - und dann kommt die Kirchensteuer selber natürlich noch oben drauf. Aber wenn du nicht in einer Kirche bist erübrigt es sich wirklich.
Ich denke da gibt es Sachen die evtl schon versteuert wurden oder zu einem gewissen Satz
Ich bin mir nicht sicher wie das ausgewiesen wird (hab' grad' keinen passenden Bescheid zur Hand), aber es kann sein, dass der Grund die angerechneten ausländischen Quellensteuern sind.
Wenn du mit einer Software arbeitest dann könntest du einfach mal testweise Zeile 40 und 41 weglassen und schauen, ob die Berechnung dann genau auf 25% kommt.

Stefan

ArnoSt
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Re: Berechnung der KAP

Beitragvon ArnoSt » 24. Okt 2021, 08:31

Vielen Dank, fühl mich gleich schon nicht mehr so verlassen: Aber hey :

Zeile 11 ist : In Zeile 7 enthaltene Ersatzbemessungs-Grundlage
Ähm was soll mir das sagen? Ich glaub man könnte gut ein Kabarettprogramm aus dieser Sache machen. Bahnhof,
Jedenfalls scheint das ein verkauftes/abgelaufenes Index-Zert. aus alter Zeit zu sein. Wurde jedenfalls voll versteuert, dachte das ist bei so alten Sachen nicht oder nur teilweise. Aber wohl grad bei Zert. nicht - so ein Murks. Hätte ich damals wissen sollen/müssen. Das scheint von allem das schlechteste gewesen zu sein (steuerlich)

Wenn ich 7, 8, 11, ... addiere kommt aber viel mehr raus als Elster mir als Kapitalerträge ausrechnet. Daher muss es auch Zeilen geben die a) nicht mit berechnet werden oder abgezogen.

Aber das
"Summe der als zugeflossen geltenden, noch nicht dem Steuerabzug unterworfenen ausschüttungsgleichen Erträge aus Anteilennan ausl. Investmentfonds im Sinne §7 ...." - dem wurde keine Idiotensichere Zeile zugeordent - sagt dir auch nichts?

reckoner
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Re: Berechnung der KAP

Beitragvon reckoner » 24. Okt 2021, 10:47

Hallo,
Zeile 11 ist : In Zeile 7 enthaltene Ersatzbemessungs-Grundlage
Ähm was soll mir das sagen?
Das bedeutet, dass die Bank nicht wusste wie sie die Steuern berechnen soll. In der Regel liegt das an fehlenden Anschaffungsdaten, etwa weil die Wertpapiere über einen Depotübertrag aus dem Ausland in das Depot gekommen sind.
Jedenfalls scheint das ein verkauftes/abgelaufenes Index-Zert. aus alter Zeit zu sein.
Aus welcher Zeit? Vor Einführung der Abgeltungssteuer? Also vor 2009?
Wurde jedenfalls voll versteuert,
Das kann aber eigentlich nicht sein. Die Besteuerung nach der Ersatzbemessungsgrundlage bedeutet, dass 30% Gewinn angenommen wird. Und darauf werden dann 25% plus Soli festgesetzt, macht unterm Strich ca. 7,9% des Verkaufserlös an Steuern (30% * 26,375%).
Wie schon gesagt kannst (musst) du das aber korrigieren. Du errechnest einfach deinen Gewinn (Verkauf minus Kauf minus Spesen) und trägst diesen Betrag in das Korrekturfeld ein.
"Summe der als zugeflossen geltenden, noch nicht dem Steuerabzug unterworfenen ausschüttungsgleichen Erträge aus Anteilennan ausl. Investmentfonds im Sinne §7 ...." - dem wurde keine Idiotensichere Zeile zugeordent - sagt dir auch nichts?
Doch, das sagt mir was. Das sind thesaurierte Erträge (also nicht ausgeschüttet). Diese müssen zu Zeile 7 addiert werden.
Anmerkung: Du machst sicher eine alte Steuererklärung, denn das mit den Thesaurierungen gibt es heute nicht mehr.

Wenn es sich um vergleichsweise kleine Beträge handelt kann man meiner Ansicht nach das mit den Fonds auch so wie bescheinigt lassen.

Stefan

ArnoSt
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Re: Berechnung der KAP

Beitragvon ArnoSt » 24. Okt 2021, 18:55

Gerade als ich dachte der Nebel lichtet sich:
Also das verstehe ich richtig: Weil die Bank keine Ahnung hat zu welchem Kurs die Zert gekauft wurde sind legt man den Gewinn auf 30% fest.
Das WP kam nicht aus dem Ausland, aber schätze von einer anderen deut. Bank. Dann sollte ich aber doch mal lieber schauen ob die 30% nicht zu hoch gegriffen sind.
Ehrlich - ich hab keine Ahnung ob ich das nach so vielen Jahren noch finde.

Und versteuert von diesen 30% wieder 25%+5.5% (das meine ich mit voll versteuert) - so hast du es auch geschrieben.

Also wenn ich herausfinde dass es weniger war, dann gebe ich dort die 26,375% von dem an, und ignoriere was die Bank geschrieben hat?
Ich frage mich - wenn die Bank das nicht rausfindet und ich ggf auch nicht, wie findet das FA heraus was recht ist? Also versteh mich nicht falsch, ich will schon meine Steuern zahlen, gar keine Frage, aber das ist doch alles komisch.
Mit Korrekturfeld meinst du Zeile 11?

Und nein, das ist die Erklärung für 2020. Aber steht da nicht den Wert muss ich von Zeile 7 abziehen?
Zumindest steht in der Bescheinigung von der Bank:
"Diese Summe ist in der bescheinigten Höhe der Kapitalerträge berücksichtigt (ich nehme an 7) und in der Anlage KAP von der Höhe der Kapitalerträge abzuziehen.

reckoner
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Re: Berechnung der KAP

Beitragvon reckoner » 24. Okt 2021, 19:41

Hallo,
Das WP kam nicht aus dem Ausland, aber schätze von einer anderen deut. Bank.
Bei inländischen Depotüberträgen wandern die Daten aber mit.
Dann sollte ich aber doch mal lieber schauen ob die 30% nicht zu hoch gegriffen sind.
Eigentlich muss man das korrigieren. Wenn man selbst keine Unterlagen mehr hat kann man natürlich schätzen (bei einem Indexzertifikat: wann ungefähr gekauft? wo stand der Index da ...).

Bedenken solltest du auch, dass Altgeschäfte (vor 2009 gekauft, bei Zertifikaten vor dem Stichtag 31.3.2007) steuerfrei sind. Falls du nachweisen kannst, dass der Kauf davor war (etwa mittels Depotauszügen), dann darfst du einfach nur die Zeile 11 auf Null korrigieren.
Und versteuert von diesen 30% wieder 25%+5.5% (das meine ich mit voll versteuert) - so hast du es auch geschrieben.
Ja.
Ich verstehe unter "voll versteuert" halt 25%+ vom Verkaufserlös, daher hatte ich es klar gestellt.
Also wenn ich herausfinde dass es weniger war, dann gebe ich dort die 26,375% von dem an, und ignoriere was die Bank geschrieben hat?
Grundsätzlich musst du die Jahressteuerbescheinigungen 1:1 übernehmen. Wenn du etwas daran ändern willst musst du die Korrekturfelder nehmen, genau dafür sind sie gedacht. Der Sachbearbeiter sieht das dann auch und wird - je nach Höhe der Differenz - bei dir nachfragen und Belege verlangen (bei Kleinkram läuft das aber oft einfach durch).
wie findet das FA heraus was recht ist?
Durch Nachfragen bei dir (was war das für ein Wertpapier, wann gekauft und wann verkauft). Du hast auch eine Mitwirkungspflicht, einfach dummstellen reicht womöglich nicht.
Mit Korrekturfeld meinst du Zeile 11?
Ich meine damit jede Zeile..
Schau dir das Formular doch mal an, da gibt es zu den Zeilen 7 bis 15 jeweils ein Korrekturfeld. Dort trägt man ggf. den Betrag ein, den die Bank bescheinigt hätte wenn sie alles korrekt gemacht hätte.

Beispiel: Du hast ein Zertifikat für 5.000 Euro gekauft und für 9.000 Euro verkauft (=4.000 Euro Gewinn). Der Bank waren die Kaufdaten aber unbekannt.
In der Jahressteuerbescheinigung steht daher für Zeile 11 ein Betrag von 2.700 Euro (9.000 * 30%).

Du korrigierst das jetzt, in dem du den wirklichen Gewinn von 4.000 Euro zu Zeile 7 hinzuaddierst, und die Zeile 11 auf Null (unbedingt eintragen, Leer ist nicht das Gleiche wie Null). Und wie gesagt, ändern darfst du nur bei "korrigierte Beträge".
Und nein, das ist die Erklärung für 2020.
OK, wundert mich zwar, aber Fonds sind auch nicht wirklich mein Thema, hab' ich nicht (mehr).
"Diese Summe ist in der bescheinigten Höhe der Kapitalerträge berücksichtigt (ich nehme an 7) und in der Anlage KAP von der Höhe der Kapitalerträge abzuziehen.
Ja, das bedeutet, dass du es von Zeile 7 abziehen darfst.

Stefan

ArnoSt
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Re: Berechnung der KAP

Beitragvon ArnoSt » 26. Okt 2021, 18:17

Ganz vielen Dank, du hast mir sehr geholfen. Das mit den Korrekturzeilen hab ich völlig übersehen.

Inzwischen versuche ich Kaufbelege (von vor März 2007) aufzutreiben.
Wenn der Nachweis gelingt wird (soweit ich mich da eingelesen hab) der Kurs 1.1.2017 also "Einkaufskurs" angesehen und der Gewinn unterliegt dann noch einem Freibetrag von 100k.

Wenn das die einzige Quelle von Kapitalerträgen wäre, dann schreibst du wir Zeile 11) auf "0" korrigiert?
Ich hätte gedacht in die Korrekturzeile bei 7) "0" rein und dieser andere Gewinn (der dem Freibetrag unterliegt und geringer sein sollte) kommt in die Korrekturspalte einer anderen Zeile - tippe mal auf 10).

reckoner
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Re: Berechnung der KAP

Beitragvon reckoner » 26. Okt 2021, 21:24

Hallo,
Wenn der Nachweis gelingt wird (soweit ich mich da eingelesen hab) der Kurs 1.1.2017 also "Einkaufskurs" angesehen und der Gewinn unterliegt dann noch einem Freibetrag von 100k.
Das betrifft aber nur Fonds, nicht Indexzertifikate (die wären nämlich steuerfrei). Und es ist der 1.1.2018 (genauer: der 31.12.2017, ist aber wegen Neujahr der selbe Kurs).

Also, was war das was du vor März 2007 gekauft hast? Ein Fonds oder ein Indexzertifikat?

Stefan


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