Krankengeld - Steuerklasse wechseln sinnvoll?

Arbeitslohn etc.

Sonnensturm
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Krankengeld - Steuerklasse wechseln sinnvoll?

Beitragvon Sonnensturm » 5. Sep 2013, 10:46

Hallo zusammen,

mein Mann bekommt seit Kurzem Krankengeld und wird das voraussichtlich auch noch einige Monate bekommen. Er hatte bisher Steuerklasse 3 und ich 5. Nun frage ich mich, ob es für uns sinnvoll wäre die Steuerklassen zu tauschen. Auf die Höhe des Krankengelds würde sich das angeblich nicht auswirken (?). Auf Nachfrage bei unserem Steuerbüro erhielt ich nur die Aussage, dass wir auf keinen Fall die Steuerklasse wechseln sollen. Leider konnte mir die Dame aber keine wirkliche Erklärung geben.

Was meint ihr? Wart ihr schon in einer solchen Situation?

Tempelhof123
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Re: Krankengeld - Steuerklasse wechseln sinnvoll?

Beitragvon Tempelhof123 » 8. Sep 2013, 01:35

Hallo,
ich nehme mal an, dein mann verdient wesentlich mehr als Du, ansonsten wäre Eure Steuerklassenwahl 3/5 ja Unsinn.
Warum willst du jetzt wechseln, kommt doch bei der Steuererklärung eh alles in einen Topf. Wenn dein mann in 2013 wieder gesund wird, wollt Ihr dann wieder zurückwechseln? Ist doch nur unnötiger Bürokratenkram. Vertraue mal auf Deinen Steuerberater, auch wenn Du es nicht verstehst.

Sonnensturm
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Re: Krankengeld - Steuerklasse wechseln sinnvoll?

Beitragvon Sonnensturm » 10. Sep 2013, 19:50

Hallo Tempelhof123,

danke für deine Antwort!

Ja, mein Mann verdient wesentlich mehr als ich, sodass SK 3 für ihn bisher auch Sinn gemacht hat. Wäre es nun durch das Krankengeld aber nicht sinnvoller für mich 3 zu beantragen? Man sagte mir, Krankengeld wird nicht versteuert und mit dem Progressionsvorbehalt kann das ja auch nicht wirklich zu tun haben. Warum wäre es denn dann nicht für uns besser, für mich Steuerklasse 3 und für ihn 5 zu beantragen? Ich würde das Ganze gerne etwas verstehen.

Tempelhof123
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Re: Krankengeld - Steuerklasse wechseln sinnvoll?

Beitragvon Tempelhof123 » 11. Sep 2013, 00:45

Es gibt da kein Besser oder Schlechter. Ihr müsst eine Steuererklärung abgeben und dann wird abgerechnet.

Sinnvoll ist ein Wechsel nur, wenn man die monatlichen Netto-Einkünfte betrachtet.
Durch die Änderung ("Verbesserung") der Steuerklasse des gesunden Ehepartners erhöht sich dessen Nettoeinkommen; das Krankengeld des arbeitsunfähigen Ehepartners ändert sich nicht.
Das Krankengeld unterliegt jedoch dem "Progressionsvorbehalt" bei der Einkommensteuer.
Durch den Bezug von Krankengeld als Lohnersatzleistung mindert sich zunächst einmal das steuerpflichtige Einkommen der Eheleute. Die damit verbundene Minderung der Steuerbelastung wird jedoch teilweise durch den Progressionsvorbehalt rückgängig gemacht. Durch die Steuerprogression erhöht sich demnach die Steuer auf das steuerpflichtige Einkommen. Auf diese höhere Steuer wird die gezahlte Lohnsteuer angerechnet. Diese Lohnsteuer ist jedoch durch den Wechsel in die (vermeintlich) günstigere Steuerklasse III gemindert, so dass es möglicherweise zu Steuernachzahlungen kommt.
Es empfiehlt sich also zumindest eine überschlägige Vorausschau.

Aus anderen Gründen kann der Wechsel aber auch sinnvoll sein:
Wenn damit zu rechnen ist, dass der gesunde Ehegatte in absehbarer Zeit Lohnersatzleistungen (z.B. Arbeitslosengeld, Krankengeld, Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld) in Anspruch nehmen wird. Diese Leistungen bemessen sich dann nach dem nun erhöhten Nettoentgelt.

Sonnensturm
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Re: Krankengeld - Steuerklasse wechseln sinnvoll?

Beitragvon Sonnensturm » 11. Sep 2013, 09:22

Hallo Tempelhof123,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Jetzt leuchtet mir das Ganze auch allmählich ein :)

Froschkönig
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Re: Krankengeld - Steuerklasse wechseln sinnvoll?

Beitragvon Froschkönig » 12. Sep 2013, 08:24

Hallo,
deine Antwort hat auch mir offene Fragen beantwortet und weitergeholfen. Finde es toll, dass du dich hier engagierst und qualifizierte Antworten gibst, die uns "Unwissenden" auf die Sprünge helfen. Danke und einen schönen Tag
Froschkönig

Joona
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Re: Krankengeld - Steuerklasse wechseln sinnvoll?

Beitragvon Joona » 16. Sep 2013, 00:51

Hallo,
deine Antwort hat auch mir offene Fragen beantwortet und weitergeholfen. Finde es toll, dass du dich hier engagierst und qualifizierte Antworten gibst, die uns "Unwissenden" auf die Sprünge helfen. Danke und einen schönen Tag
Froschkönig
Dem kann ich mich nur anschließen. Durch deine ausführliche Antwort hast du auch mir ein paar Fragen beantwortet.
Vielen Dank. :)

LG Joona

Omnicron
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Registriert: 1. Dez 2014, 19:57

Re: Krankengeld - Steuerklasse wechseln sinnvoll?

Beitragvon Omnicron » 1. Dez 2014, 20:05

Also, ehrlich gesagt, ich finde ja die Antwort faszinierend - aber ich verstehe sie nicht.

Bei mir/uns ist es ähnlich. Bislang Lohnsteuerkombi V/III, aktuell im Krankengeld und die kommenden drei Monate Wiedereingliederung, also weiterhin Krankengeld.
Situation: bisher der LSTIII-Verdiener = brutto > 4.500 EUR, LSTV-Verdiener = < 2.000 EUR (25h-Job). (LSTIII-Verdiener ist Allimentenpflichtig ggü. Jugendamt).

Die Krankengeldgeschichte bringt uns gerade in existenzielle Nöte, auch bedingt durch die Krankheitsvorgeschichte. Jetzt steht die Überlegung an, dass LSTV während der Wiedereingliederungsphase von LSTIII in den kommenden drei Monaten vollzeit arbeitet, um die prekäre Finanzsituation zu entspannen. Hierbei ist die Frage aufgekommen, ob eine Umstellung der LST-Klassen auf IV/IV sinnvoll ist.
Die weitere Frage ist, ob die Umstellung - einmal pro Jahr möglich - kalenderjährig referenziert wird oder tatsächlich auf 12 Monate, d.h. die nächste Umstellung erst im Dezember 2015 möglich wäre (womit der Umstellungsgedanke eh obsolet wäre).
Mit dieser Überlegung komme ich gerade nicht so richtig auf einen grünen Zweig. Kann mir hier einer von euch einen "Gedankenschubser" geben...?

Lieben Dank und Gruß
Kai


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