Warum Nachzahlung bei Steuerklasse 3 und 5

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Moderator: muemmel

steueristteuer
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Warum Nachzahlung bei Steuerklasse 3 und 5

Beitragvon steueristteuer » 30. Mär 2019, 17:17

Hallo zusammen,

der durchschnittliche Arbeitnehmer in Steuerklasse 1 bekommt ca. 900 Euro durch die Steuererklärung zurück heißt es ja immer.

Ich habe allerdings Steuerklasse 3 und meine Frau Steuerklasse 5.

Wir arbeiten beide Vollzeit wobei ich ca. 60-70% des Haushaltseinkommens erwirtschafte. Somit sollten die Steuerklassen ja richtig gewählt sein.

Durch welchen Effekt kommt es jetzt hier recht schnell zu einer Steuernachzahlung? Meine Frau in Steuerklasse 5 zahlt ja viel zu viele Steuern für ihr eher niedriges Einkommen. Gleicht sich das mit meiner Steuerersparnis nicht aus?

Wessen Gehalt wird letztendlich "zu gering" besteuert (das von mir oder das von meiner Frau), sodass es zur Nachzahlung kommt?


Warum bekommt man als Arbeitnehmer in Steuerklasse 1 ca. 900 Euro zurück während ich tendenziell eher nachzahlen muss, obwohl ich die Steuerklassen ja passend gewählt habe? Nehmen wir mal in beiden Fällen gleiche Ausgaben an.

Vielen Dank.

Weitere Informationen im Steuer-Ratgeber:
Antrag   Ι   Arbeitnehmer   Ι   Darlehen   Ι   Einkommensteuer   Ι   Lohnsteuer   Ι   Progression   Ι   Sonderausgaben   Ι   Sozialabgaben
 
muemmel
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Re: Warum Nachzahlung bei Steuerklasse 3 und 5

Beitragvon muemmel » 30. Mär 2019, 20:37

der durchschnittliche Arbeitnehmer in Steuerklasse 1 bekommt ca. 900 Euro durch die Steuererklärung zurück heißt es ja immer. Heißt es das? Da man in Klasse 1 oder 4 üblicherweise das bezahlt, was tatsächlich an Steuern anfällt, muß der AN in Klasse 1 schon recht hohe Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen haben, um 900 Euro wiederzukriegen.
Gleicht sich das mit meiner Steuerersparnis nicht aus? Wenn Sie eine Nachzahlung haben, hat es sich offenbar nicht ausgeglichen.
Wessen Gehalt wird letztendlich "zu gering" besteuert (das von mir oder das von meiner Frau), sodass es zur Nachzahlung kommt? Ihres natürlich.

steueristteuer
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Re: Warum Nachzahlung bei Steuerklasse 3 und 5

Beitragvon steueristteuer » 17. Apr 2019, 07:53

Hat man als Doppelverdiener Ehepaar gar keine steuerlichen Vorteile gegenüber einem ledigen Einzelverdiener?

Ich hab zwar Steuerklasse 3, allerdings bringt mir das ja nichts, wenn ich am Ende die zu wenig bezahlte Steuer wieder zurückzahlen muss und sich meine finale Steuerschuld wie in Steuerklasse 1 bzw. 4 berechnet.

Kann mir hier jemand helfen?

Vielen Dank.

schlauelia
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Re: Warum Nachzahlung bei Steuerklasse 3 und 5

Beitragvon schlauelia » 17. Apr 2019, 10:41

Klasse 3 geht davon aus, dass der Ehepartner nichts verdient!
gehen Sie beide in Klasse 4: dann sehen Sie bei der Est-Erklärung den Vorteil!

Dies alles ist nicht nur in diesem Forum schon tausendfach erläutert worden!

Lia

Severina
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Re: Warum Nachzahlung bei Steuerklasse 3 und 5

Beitragvon Severina » 17. Apr 2019, 10:55

Die finale Steuerschuld eines Ehepaares ist immer gleich hoch- egal, welche Steuerklassen sie wählen. Die Steuerklassenwahl
hat nur Einfluss auf die Lohnsteuer, nicht auf die Einkommensteuer, für die die Lohnsteuer eine Vorauszahlung darstellt.

Die Nachzahlung kommt daher, dass der Vorteil, den Sie durch die Steuerklasse 3 haben, größer ist als
der Nachteil, den Ihre Frau durch die Steuerklasse 5 hat.

Informieren Sie sich mal über das sog. Faktorverfahren - damit ist es möglich, die Lohnsteuer ziemlich genau
auszutarieren, bedeutet aber etwas Aufwand.

Ansonsten: Wenn Sie nachzahlen müssen, hatten Sie vorher ein zinsloses Darlehen vom Staat, das ist doch auch schon was...
(Zinslos jedenfalls dann in der Regel, wenn Sie Ihre Steuererklärung fristgerecht abgeben).
Zuletzt geändert von Severina am 17. Apr 2019, 11:23, insgesamt 1-mal geändert.

schlauelia
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Re: Warum Nachzahlung bei Steuerklasse 3 und 5

Beitragvon schlauelia » 17. Apr 2019, 11:17

Faktorverfahren: es muss eine Steuererklärung abgegeben werden - wie auch bei 3/5 - und mE, wenn dieser Aufwand (Faktorverfahren) zu groß ist, kann man darauf verzichten.

Lia

Severina
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Re: Warum Nachzahlung bei Steuerklasse 3 und 5

Beitragvon Severina » 17. Apr 2019, 11:23

Faktorverfahren: es muss eine Steuererklärung abgegeben werden - wie auch bei 3/5 - und mE, wenn dieser Aufwand (Faktorverfahren) zu groß ist, kann man darauf verzichten.

Lia
M. E. auch, daher ja auch bereits der Hinweis auf den Aufwand...

steueristteuer
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Re: Warum Nachzahlung bei Steuerklasse 3 und 5

Beitragvon steueristteuer » 17. Apr 2019, 11:55

Die Nachzahlung kommt daher, dass der Vorteil, den Sie durch die Steuerklasse 3 haben, größer ist als
der Nachteil, den Ihre Frau durch die Steuerklasse 5 hat.
Beispiel: Also gibt es keinen Vorteil gegenüber einem ledigen Einzelverdiener?

Wenn ich ein höheres Einkommen habe als meine Frau, dann zahle ich durch die Zusammenveranlagung etwas weniger als wenn ich dieses Einkommen als Lediger hätte.

Meine Frau allerdings, zahlt etwas mehr, als die Steuer die sie als Ledige zu zahlen hätte, richtig?

D.h. Zusammenfassend kann man sagen, das man als Doppelverdiener Ehepaar die gleiche Steuerlast hat, wie die gleichen 2 Personen als ledige jeweils hätten?

Also: Steuerlast ledige Person A + Steuerlast ledige Person B = Steuerlast der Zusammenveranlagung von Eheleuten A und B?

Vielen Dank!

muemmel
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Re: Warum Nachzahlung bei Steuerklasse 3 und 5

Beitragvon muemmel » 17. Apr 2019, 12:30

Nein, das ist definitiv falsch: Ledige werden nach der Grundtabelle versteuert, Verheiratete nach der Splittingtabelle - das ist ein Riesenunterschied, den Sie hier anschaulich sehen können: https://de.wikipedia.org/wiki/Grenzsteuersatz#/media/File:ESt_D_Splitting_2018_zvE_bis_120000.svg

Severina
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Re: Warum Nachzahlung bei Steuerklasse 3 und 5

Beitragvon Severina » 17. Apr 2019, 13:31

Der Unterschied zwischen Grund- und Splittingtabelle ist:

Bei Ehepaaren wird das zu versteuernde Einkommen auf beide Ehegatten zu gleichen Teilen verteilt. Wenn eine Person 80.000 € zvE hat, ist er in der Grundtabelle so ungefähr im Spitzensteuersatz. Heiratet die Person und der Partner hat 20.000 € zvE, so wird in der Splittingtabelle die Steuer auf ((80.000+20.000)/2) 50.000 € berechnet und dann verdoppelt - das ist auf Grund der Progression dann weniger als die Steuer auf 80.000 bzw. 20.000 € in der Grundtabelle.

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