Abgabefrist für ESt 2014 um einen Tag verpasst

Einspruch, Fristen, Zahlung, Vollstreckung etc

Moderator: muemmel

Stonelee
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Abgabefrist für ESt 2014 um einen Tag verpasst

Beitragvon Stonelee » 15. Feb 2019, 13:43

Hallo liebe Forenmitglieder,

wie ihr dem Betreff entnehmen könnte, geht es um die (freiwillige) Steuerklärung von 2014 (die Abgabefrist war ja am 31.12 letzten Jahres).
Im Jahr 2014 habe ich mein Studium abgeschlossen und im September eine Vollbeschäftigung begonnen (Bruttoverdienst rund 4000€/Monat). Da ich in den 4 Monaten 16000€ Brutto verdient, aber trotzdem rund 800€/Monat Lohnsteuer pro Monat gezahlt habe, ist natürlich einiges zusammengekommen, was ich vom Fiskus hätte zurückholen können... rund 3300€ (+ ca. 15% Zinsen).
Leider liegt die Betonung auf hätte, denn ich Idiot hab ich die freiwillige Steuererklärung erst am 29.12.2018 mit einer Steuersoftware per Elster ans Finanzamt übermittelt und auch an diesem Tag die komprimierte Steuererklärung per Post verschickt.
Bis dahin war ich der festen Überzeugung, dass das Versanddatum per Elster maßgeblich ist. Dass dies nur mit einem Zertifikat der Fall ist, wusste ich leider nicht.
Tja dann nun gestern der Schock, als ich den Brief vom Finanzamt bekommen habe: Empfang der Steuererklärung am 2.1.2019, also Frist verstrichen...
Sehr frustrierend dabei ist auch die Tatsache, dass es kein Problem gewesen wäre, die Steuererklärung selbst beim Finanzamt einzuwerfen... sind rund 15min Fahrt :roll:

Bin nun echt etwas verzweifelt und weis nicht was ich tun soll. Seht ihr noch irgendwo eine Möglichkeit oder Chance, um die Steuererklärung doch noch durchzubringen? Soll ich eventuell dem zuständigen Finanzbeamten die Misere schildern und auf Kulanz hoffen? :|

Danke für jegliche Hilfe!
LG Ben

 
muemmel
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Re: Abgabefrist für ESt 2014 um einen Tag verpasst

Beitragvon muemmel » 15. Feb 2019, 15:18

War das die Erstausbildung? Wenn nicht, wenn Sie also z. B. vor dem Studium schon einen Beruf gelernt haben, könnten Sie Anträge auf Verlustfeststellung einreichen (das geht 7 Jahre lang, wäre für 12-14 also noch drin) und dann entstünde eine Erklärungspflicht...

Stonelee
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Re: Abgabefrist für ESt 2014 um einen Tag verpasst

Beitragvon Stonelee » 16. Feb 2019, 10:34

War das die Erstausbildung? Wenn nicht, wenn Sie also z. B. vor dem Studium schon einen Beruf gelernt haben, könnten Sie Anträge auf Verlustfeststellung einreichen (das geht 7 Jahre lang, wäre für 12-14 also noch drin) und dann entstünde eine Erklärungspflicht...

Hallo,
nein leider ist das nicht der Fall. Ich habe nach dem Gymnasium direkt mit dem Studium begonnen, die Beschäftigung dann nach abgeschlossenem Masterstudium. Während dem Studium war ich immer nur als Werkstudent oder Praktikant tätig.
LG Ben

Severina
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Re: Abgabefrist für ESt 2014 um einen Tag verpasst

Beitragvon Severina » 17. Feb 2019, 09:57

Das Masterstudium IST eine Zweitausbildung, die Erstausbildung dann der Bachelor.

Wie Muemmel sagt - beantragen Sie die Verlustfeststellung für 12 und 13 und vergessen Sie nicht, die Kosten des Masterstudiums 2014 noch nachzutragen. Gegen den Ablehnungsbescheid 2014 Einspruch einlegen nicht vergessen! Das geht formlos ohne Begründung, schreiben Sie einfach, die Begründung folgt. Sie erhalten dann eine neue Frist, innerhalb derer die Anträge auf Verlustfeststellung und die Kosten des Masterstudiums 2014 eingereicht werden müssen, verweisen Sie darauf, dass diese die Begründung zum Einspruch darstellen.

Stonelee
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Re: Abgabefrist für ESt 2014 um einen Tag verpasst

Beitragvon Stonelee » 18. Feb 2019, 20:28

Hallo und vielen Dank erst mal für ihre Antworten.
Leider bin ich gerade etwas überfordert, das alles unter einen Hut zu bringen und bräuchte deshalb nochmals Hilfe.
Also das Prinzip des Verlustvortrags hab ich verstanden, aber mir ist nicht klar, wie sich ein Antrag auf Verlustfeststellung auf meine abgelehnte Einkommensteuererklärung auswirkt? Wird der Ablehnungsbescheid dadurch aufgehoben und nach Prüfung des Verlustfeststellungsantrags neu bearbeitet? Und wie spielt denn die sich hier ergebende Erklärungspflicht mit rein?

LG Ben

muemmel
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Re: Abgabefrist für ESt 2014 um einen Tag verpasst

Beitragvon muemmel » 18. Feb 2019, 23:46

Wird der Ablehnungsbescheid dadurch aufgehoben und nach Prüfung des Verlustfeststellungsantrags neu bearbeitet? Vielleicht das, vielleicht werden Sie auch zur Neueinreichung aufgefordert - wenn es bei mir um so viel Geld ginge, würden mich Verfahrensfragen eher weniger interessieren...

muemmel
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Re: Abgabefrist für ESt 2014 um einen Tag verpasst

Beitragvon muemmel » 19. Feb 2019, 15:59

rund 3300€ (+ ca. 15% Zinsen) Wie kommen Sie eigentlich auf die Summe? Das wäre ja die komplette Steuer - man kann aber nicht 16.000 Euro steuerfrei verdienen. Alles wird es insofern nicht zurückgeben...

Stonelee
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Re: Abgabefrist für ESt 2014 um einen Tag verpasst

Beitragvon Stonelee » 19. Feb 2019, 20:45

Wie kommen Sie eigentlich auf die Summe? Das wäre ja die komplette Steuer - man kann aber nicht 16.000 Euro steuerfrei verdienen. Alles wird es insofern nicht zurückgeben...

Ich hab in meinem Eingangspost die Beträge sehr großzügig auf- oder abgerundet. Hier mal etwas genauere Angaben:

Bruttoverdienst: 16800€
Steuern: 3700€ (inkl. Soli + Kirchensteuer)
Altersvorsorgeaufwendungen und Kranken- und Pflegeversicherung: 5500€
Fahrten zwischen Wohnung und Ausbildungsstätte+Arbeitsstätte: 1500€
Sonstiges: 1000€

Die Steuersoftware ermittelt mir daraus am Ende einen Erstattungsbetrag in Höhe von 3300€.

Stonelee
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Re: Abgabefrist für ESt 2014 um einen Tag verpasst

Beitragvon Stonelee » 19. Feb 2019, 20:50

Ich habe mich zu der Thematik Verlustfeststellung noch etwas eingelesen und bin dabei auf ein Artikel zu einem BFH-Urteil gestoßen, das wahrscheinlich mit dem von Ihnen erwähnten Vorgehen zusammenhängt ( https://bit.ly/2XeuXTN ).

Hier heisst es:
...eine Einkommensteuererklärung ist abzugeben, wenn zum Schluss des vorangegangenen Veranlagungszeitraums ein verbleibender Verlustabzug festgestellt worden ist. In diesem Fall gelte die Anlaufhemmung aus § 170 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 AO, was Einfluss auf den Beginn der Festsetzungsfrist hat. Der BFH hat dabei klar gestellt, dass die Verpflichtung zur Abgabe der Einkommensteuererklärung nur für den unmittelbar auf den festgestellten Verlustabzug folgenden Veranlagungszeitraum gilt.

Und das Fazit:
Auf diese Weise kann man ggf. bisher nicht geltend gemachte Verluste retten und das Finanzamt dazu zwingen, eine Einkommensteuerveranlagung für das der Verlustfeststellung folgende Jahr durchzuführen.

Einen verbleibenden Verlustabzug aus 2012 und 2013 kann ich aber nicht vorweisen, da meine Einkünfte die Verluste in diesen Jahren deutlich übersteigen, der Gesamtbetrag der Einkünfte ist also positiv. Damit wäre das Ganze wohl aussichtslos oder liege ich da falsch?

muemmel
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Re: Abgabefrist für ESt 2014 um einen Tag verpasst

Beitragvon muemmel » 20. Feb 2019, 13:10

Damit wäre das Ganze wohl aussichtslos oder liege ich da falsch? Nein, das sehen Sie völlig richtig.

 

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